Synode in Hannover: Kirche schließt Öffentlichkeit aus – Betroffene sollen zwar sprechen dürfen, aber hinter verschlossenen Türen

Jahrelang hat sich die Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers dagegen gewehrt, dass Betroffene sexualisierter Gewalt selbst vor der Synode sprechen dürfen. Nun scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen – doch der Preis dafür ist hoch: Die Öffentlichkeit soll ausgeschlossen werden.

Im Frühjahr 2024 durfte erstmals eine Betroffene vor der Synode sprechen. Doch die Person war von der Kirche selbst ausgewählt – und sogar dort beschäftigt. Viele andere Betroffene, insbesondere kirchenferne oder kritische Stimmen, fühlten sich dadurch ausgeschlossen.

Auch die folgenden Versuche wirkten eher wie ein Feigenblatt: Im Herbst 2024 konnten Betroffene zwar Eingaben an die Synode übermitteln, diese wurden aber von einem langjährigen Kirchenmitarbeiter vorab gefiltert, zusammengefasst und interpretiert.

Erst im Frühjahr 2025 wurden die Eingaben tatsächlich wortgetreu vorgelesen – von zwei beauftragten Personen. Selbst diese fragten öffentlich, warum die Betroffenen eigentlich nicht selbst sprechen dürften. Ein Synodaler stellte daraufhin den Antrag, genau das künftig zu ermöglichen. Die Landeskirche Hannovers präsentierte das Ergebnis breitspurig.1

Und tatsächlich: Am 26. November 2025 dürfen Betroffene erstmals selbst vor der Synode sprechen – ein Schritt, den viele längst überfällig nennen. Doch nun folgt der Rückschlag ins Gesicht: Die Kirche will die Öffentlichkeit ausschließen. Die Wortbeiträge sollen nicht im Livestream übertragen werden und nicht öffentlich stattfinden.2

Damit kehrt sich der Fortschritt ins Gegenteil: Betroffene dürfen zwar endlich ihre Stimme erheben, aber nur, wenn niemand mitbekommt, was vor der Synode vorgetragen wird.

Beim Online-Treffen zwischen Betroffenen und dem Präsidium der Synode am 4. September 2025 hatten viele Betroffene ausdrücklich gefordert, selbst entscheiden zu dürfen, ob ihre Beiträge öffentlich oder vertraulich sein sollen. Diese Bitte wird nun ignoriert.

Die Behauptung, der Ausschluss der Öffentlichkeit diene dem Schutz der Betroffenen, wird von vielen als reine Schutzbehauptung empfunden. Betroffene sind es leid, dass über sie entschieden wird, statt mit ihnen. Jede betroffene Person soll selbst bestimmen dürfen, ob sie ihre Worte öffentlich oder vertraulich teilen möchte.

Viele Betroffene empfinden das als erneute Entmündigung – und als deutliches Zeichen dafür, dass die Kirche noch immer mehr an Imagepflege als an echter Aufarbeitung interessiert ist.

  1. vgl. Landeskirche Hannovers: Sexualisierte Gewalt in der Kirche: Landessynode stärkt betroffene Personen, 26.05.2025 (externer Link) ↩︎
  2. vgl. Landeskirche Hannovers: Sexualisierte Gewalt: Aufruf des Präsidiums der Landessynode, 07.10.2025 (externer Link) ↩︎

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