Jährlich wird Ralf Meister zum Rücktritt aufgefordert

Rücktrittsforderungen gegen Landesbischof Ralf Meister: Eine kritische Bestandsaufnahme


In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers steht Landesbischof Ralf Meister seit Anfang 2024 massiv in der Kritik. Betroffene sexualisierter Gewalt fordern seinen Rücktritt, da sie ihm vorwerfen, die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen unzureichend vorangetrieben zu haben. Trotz eingestandener Fehler lehnt Meister bislang einen Rücktritt ab.


Hintergrund: Der Fall Oesede und die ForuM-Studie

Im März 2024 wurde ein Gutachten zum Missbrauchsfall in der Kirchengemeinde Oesede veröffentlicht. Es zeigte, dass die Landeskirche auch nach 2010 versuchte, den Fall nicht weiter aufzuarbeiten. Die Betroffene wandte sich mehrfach vergeblich an die Kirche und wurde abgewiesen.

Zudem wurde bekannt, dass die Landeskirche für die ForuM-Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt nicht wie vereinbart die vollständigen Personalakten, sondern lediglich Disziplinarakten zur Verfügung gestellt hatte – ein Umstand, den Betroffene als inakzeptabel empfinden.


Kritik von Betroffenen und Kirchenmitgliedern

Im Juni 2024 forderten mehrere Betroffene in einem offenen Brief den Rücktritt Ralf Meisters. Auch innerkirchlich wuchs der Druck: Mehr als 200 Theolog*innen und Mitarbeitende forderten in einem offenen Schreiben strukturelle Konsequenzen und einen echten Kulturwandel. Auch der Sprecher der Betroffenenvertretung des Beteiligungsforums Detlev Zander forderte den Rücktritt Meisters.

Besonders prägnant äußerte sich Nancy Janz, Sprecherin der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der EKD. In einem offenen Unterstützungsaufruf vom 6. Mai 2025 kritisiert sie, dass Ralf Meister trotz vorheriger Zusagen nicht an Veranstaltungen zum Thema sexualisierte Gewalt beim Deutschen Evangelischen Kirchentag teilnahm. Stattdessen habe er sich öffentlichkeitswirksam bei anderen Formaten gezeigt – ohne auch nur eine formale Absage an die Betroffenen zu senden.

Janz wirft Meister vor, sein Verhalten schade der Glaubwürdigkeit der Kirche und verletze Betroffene zutiefst. Ihre deutliche Botschaft: „Ich zweifle sehr deutlich daran, ob Sie der Richtige sind.“ Ein vertrauliches Gespräch hinter verschlossenen Türen, zu dem Meister eingeladen hatte, lehnte sie ab. Sie forderte stattdessen öffentlich überprüfbare Maßnahmen und eine klare Haltung:

„Nur eine klare, öffentliche Haltung schafft den nötigen Raum für Veränderung.“


Reaktion von Ralf Meister und der Kirchenleitung

Landesbischof Ralf Meister räumte Fehler ein und kündigte an, die Fachstelle für sexualisierte Gewalt personell zu stärken sowie Empfehlungen der unabhängigen Kommission umzusetzen. Auch lud er Betroffene zu Gesprächen ein, was jedoch von Nancy Janz explizit abgelehnt wurde – sie kritisiert die Gesprächsangebote als nicht-öffentliche Verschiebung von Verantwortung.

Die kirchenleitenden Gremien stellten sich bislang hinter Meister und betonten seine Lernbereitschaft und Reformwillen. Viele Betroffene sehen jedoch in seinem Verhalten eine Fortsetzung von Intransparenz und Machterhalt.


Fazit

Die Rücktrittsforderungen gegen Ralf Meister sind kein rein administratives Signal, sondern Ausdruck eines grundlegenden Vertrauensbruchs. Der Ruf nach einem echten Kulturwandel lässt sich nicht durch Dialogangebote hinter verschlossenen Türen besänftigen. Nancy Janz und viele weitere fordern nicht nur strukturelle Maßnahmen, sondern eine klare persönliche Verantwortungsübernahme.

Die Kirche ist unter der Leitung von Ralf Meister nicht bereit, diese Forderung ernst zu nehmen – und das Ralf Meister wirklich nicht lernfähig ist, wie es ihm zugestanden wurde – hat sich nun auch klar gezeigt. Ein Rücktritt ist unausweichlich.


Quellen:


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